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Kinderwunsch???

Liebe Frauen, allein unsere Formulierungen rund um unseren Kinderwunsch lassen schon manchmal ein wenig zu wünschen übrig. Da passiert es leicht, dass wir mal patzen.

Aber aufgepasst: Unser Unterbewusstsein hört immer mit und realisiert dann die vorgegebenen Formulierungen und Bilder. Dies dürfte uns, wenn wir es erst einmal verstanden haben, aber gar nicht so unbedingt recht sein. Schauen wir uns daher mal dieses Posting einer Kinderwunschfrau genauer an, ja ?


"Hi Mädels,
ich bin 34 Jahre alt und war noch nie auch nur ein "bisschen" schwanger (bzw. ein paar Tage oder Wochen). Die Pille nehme ich schon länger nicht mehr, ich bin irgendwann auf NFP umgestiegen und war ganz begeistert, wie gut das funktioniert. Das mit dem Verhüten hätten wir uns aber wohl sparen können, seit zweieinhalb Jahren versuchen wir inzwischen schwanger zu werden, aber es tut sich nichts. Gar nichts.

Laut Temperaturkurve habe ich jeden Monat einen Eisprung, meine Hormone sind bis auf einen erhöhten Androstendionwert in Ordnung, nur mein Zyklus war letztes Jahr mit 25, 26 Tagen etwas zu kurz (normal scheinen bei mir 27 Tage zu sein, das letzte Jahr (aber nicht die ganzen zweieinhalb Jahre!) war auch etwas stressig). Bei meinem Süßen scheint auch alles in Ordnung. Im Dezember waren wir das erstemal in der KIWU-Klinik und wollten einen Postkoitaltest machen lassen. Ich bekam gleich Hormone dafür verschrieben, lieber gleich richtig, meinte die FÄ.

Nun sitze ich da mit meinem Rezept und will eigentlich gar nicht so richtig. Bzw. ich will meinen Körper im Moment nicht durch Hormone zum Schwangerwerden zwingen.

Während ich am Anfang eigentlich relativ locker mit dem Gedanken umgegangen bin, dass ich Mutter werde und in meinem Leben sich ein paar Sachen ändern werden (ich habe auch beruflich meine Ziele), bin ich inzwischen ziemlich verzagt. Ich traue es mir immer weniger zu, für ein Kind sorgen zu können (obwohl das objektiv gesehen wahrscheinlich völliger Schwachsinn ist).
Ganz klasse ist auch, dass meine jüngere Schwester in diesen zweieinhalb Jahren zweimal problemlos und sofort schwanger geworden ist (trotz unregelmäßigem 6-Wochen-Zyklus übrigens) und demnächst ihr zweites Kind bekommt. Die bald zwei Enkelkinder sind natürlich DAS Familienthema, Entkommen nicht möglich.
Und da gibt es noch mehr Sachen die mir so im Kopf rumspuken. Ich möchte nun zunächst versuchen, mein seelisches Chaos etwas aufzuräumen (obwohl ich andererseits denke, dass ein eigenes Kind die ganzen Probleme in Luft auflösen würde (ansonsten geht's mir nämlich prima) und die biologische Uhr tickt).

Bücher gibt's ja jede Menge zu dem Thema, hab' auch zwei, drei gelesen, aber geholfen hat's mit nicht. Hat von Euch jemand Erfahrung mit der Bewältigung von solchen seelischen Problemen und kann mir ein paar Tips geben?

Gruß (**)


Herzlich Willkommen, liebe (**)

Hm, es gäbe vieles zu deinem Posting zu sagen.

Als Einstieg möchte ich gerne mal was herausstellen, wenn du erlaubst.

Du schreibst:

"Während ich am Anfang eigentlich relativ locker mit dem Gedanken umgegangen bin, dass ich Mutter werde und in meinem Leben sich ein paar Sachen ändern werden (ich habe auch beruflich meine Ziele), bin ich inzwischen ziemlich verzagt. Ich traue es mir immer weniger zu, für ein Kind sorgen zu können "

Das ist ein großer Widerspruch, den ich an deiner Stelle als erstes angehen würde. Ich habe immer wieder erlebt, wie wir uns allein aus einer psychischen Ausrichtung heraus so derartig selbst im Weg stehen können, dass ich da vermutlich auch schon richtige Antennen für habe und empfindlich reagiere

Kinder sind nicht planbar. Nicht so: Erstes Staatsexamen, neue Wohnung, Couchgarnitur, Baby, zweites Staatsexamen. Und unsere Probleme in Luft auflösen? Das tun sie schon gar nicht.

Das geht so nicht. Und vielleicht ist es ja ganz anders herum, und die Kinder verplanen UNS ?????

Ich würde dir empfehlen, alle alten Pläne über den Jordan zu schmeißen. Ändere sie doch um in: Gesund werden und sein, damit ein Baby kommen kann, wenn es denn will.

Und die Zwischenzeit würde ich mich in inneren Bildern tummeln, etwa so:

Drei rotznasige kleine Racker wollen Frühstücken, der große isst schon alleine, der mittlere versucht alleine zu essen, dabei fliegen die bunten, klebrigen Fruchtloops quer durch das Esszimmer und landen auf deiner Strickarbeit, die du eh schon seit Monaten nicht mehr weitermachen konntest. Der Jüngste schreit, denn er hat Hunger, bei ihm klappt das mit dem alleine essen aber noch gar nicht. Du hast die Wahl, entweder du fütterst ihn endlich, damit endlich Ruhe am Tisch ist, nicht soviel gekleckert wird und vor allem dein Mann sich mal wieder an die Runde traut, in der Hoffnung wenigstens ein paar beschauliche Minuten zum Start des Tages zu haben - dann kannst du selber aber nicht essen.

Oder: du isst doch selber, riskierst aber dafür, dass Junior mit Händen und Füßen isst, die Loops noch weiter durch die Wohnung fliegen, von wo du sie dann gebückt wieder vom Parkett und vom Teppich entfernen kannst. Und: Dass dein Mann doch lieber gleich zur Arbeit geht, weil man in der Betriebskaffeteria ja eigentlich doch viel ruhiger und besser essen kann.

Er wird gehen, und du bleibst zurück. Mitten mang vieler klebriger kleiner Frühstücksspuren, die du wie jeden Morgen in einem hoffnungslosen Kampf aus der Wohnung entferntst. Deinen Gang in die Dusche verschiebst du heute wieder und den Gang zum Frisör hast du dir eh abgeschminkt. Bei nur einem Gehalt ist das eh ein Luxus - und wer würde dir schon deine drei Racker mal so lange abnehmen, bis das mit dem Frisör endlich erledigt ist?

Bis dein Mann nach Hause kommt wirst du etliche Schnoddernäschen gewischt, zahlreiche Windeln mit diversen "großen und kleinen Geschäften" beseitigt haben - wenigstens bis in den Windeleimer im Badezimmer, der da schon riechend und müffelnd längst zum Inventar gehört. Du hast den ganzen Tag klebrige Dinge aus deiner Wohnung entfernt - aber nicht mir viel Erfolg, von der schönen Einrichtung von "einst" ist nicht mehr viel zu erkennen. Die schicke Schrankwand ist voller Kratzer von den Rutscheautos, der Brockhausband ist aus dem untersten Fach entfernt und einfach oben auf den Schrank gerettet worden. Mit deiner CD-Sammlung hattest du weniger Erfolg. Deine Jungs benutzen sie mit Vorliebe als fliegende Untertassen und Pokemongeschosse. Inzwischen ist es dir auch schon egal, die meisten CDs sind ohnehin zerkratzt - wozu brauchst du dann noch die Cover?

Irgendwann konntest du die "Großen "vor dem Fernseher parken, der Lütte hat ein kurzes Mittagsschläfchen gemacht - natürlich an deiner Brust, die er einfach nicht mehr loslassen will- und du hast es zuwege gebracht, deine seit Monaten einfach immer nur länger werdenden Haare zu einem flüchtigen kleinen Knoten zusammenzudröseln - sie sitzen eh nicht bei all dem Stress, nach den drei Geburten und jetzt in der Stillzeit sowieso nicht. Sie werden auch eher weniger als mehr. Werden sie vielleicht schon grau? Na, macht nix, du zupfst sie dir einfach morgens vor dem Spiegel aus, und wenn das eines Tages nicht mehr gehen sollte, dann wird halt "permanent getönt".

Irgendwann kommt dein Mann dann nach hause. Im schicken Anzug, ein Erfolgslächeln auf den Lippen, eine wichtige Aktentasche auf den Tresen knallend. Während er euch guten Tag sagt, sieht er gleichzeitig schon mal die Post durch - schließlich muss sich ja einer um die ganzen wichtigen Angelegenheiten kümmern. Und bevor er sich in eurer lauten, verkramten, nach Babywindeln möckernden, lauten Wohnung in sein gepflegtes Büro zurückzieht, schaut er dich noch einen kurzen Augenblick an , und du fragst dich, wieso er dich überhaupt noch liebt.

Rufe eine solche Situation in deinen inneren Bildern hervor. Lass dich auf sie ein und "erlebe" sie mit allen Sinnen. Tu das so oft es geht.
Beobachte auch gut andere, reale kinderreiche Familien, und schau, wie dein Innerstes darauf reagiert. Kommt die der blanke Neid? Oder sind es gar andere Gefühle?

Lass die inneren Bilder kommen und modelliere sie nach und nach um, in eine Form, die dir angenehmer ist, die frei ist von Ängsten. Werde zu einer Frau, die ein Kind möchte, unbedingt, und die sich wenig stört an all den alltäglichen Kleinigkeiten, die eine Mutter nun einmal erlebt.
Zu einer Frau, die es wenig stört, wenn sie seit Monaten oder Jahren nicht mehr in der Disco war, oder im Kino, der es nichts ausmacht, dass Nacht für Nacht - tapertapertaper-, drei kleine Juniors nach und nach das elterliche Ehebett für sich erobern, stets nach Wärme suchend, somit aber auch verhindernd, dass dein Mann und du untereinander überhaupt Lust auf irgendwelche Intimitäten entwickelt, geschweige denn, dazu kommt, sie zu leben.

Zu einer Mutter, die tapfer die fiebernden Kinder aufpäppelt, während dein Mann allein zur Geburtstagsparty der Freunde geht - einer muss ja schließlich die Kontakte halten, und weshalb soll ER zuhause bleiben, wenn doch "eine" reicht, die das mit den Kindern übernimmt.

Zu einer Frau, die einem vermutlich evolutionärem Drang folgt, in dem sie GENAU dies, nämlich die Aufzucht ihrer Brut, zu DIESEM Preis, zu ihrem größten Wunsch, und einem Großteil ihrer Erfüllung in diesem Leben an sich gemacht hat.

Wenn es das ist wirklich ist, dann hast du definitiv einen Kinderwunsch.




Liebe (**), du bist noch ganz neu hier, deshalb möchte ich dir was erklären. Manchmal stellen Frauen sehr interessante Fragen. Diese nehme ich dann zum Anlass, nicht nur ihnen zu antworten, sondern eigentlich allen hier im Forum.
Dies war ein solcher interessanter Ansatz. Und da ich in der psychischen Arbeit immer wieder - und verständlicherweise - auf seelische Blockaden, und GANZ tief im Unterbewussten sogar sehr häufig auf Abneigungen gegen die ja eigentlich gewünschten Kinder stoße, habe ich dein Posting mal als Anlass genommen, dies hier zu formulieren.
Es soll keine Anklage sein.
Es soll uns nur helfen, besser zu verstehen, was eigentlich tief in uns los ist, und warum vielleicht ein Teil von uns gar nicht so scharf darauf ist, "sich fortzupflanzen"

Und es soll auch ein kleines, spielerisches Handwerkszeug sein, mit dem wir wieder herausfinden aus solchen verborgenen Ängsten. Mit dem wir in unseren inneren Bildern eine neue kleine Spur in den frischen Schnee fahren, die sich dann nach und nach zu einer dicken Abfahrtspiste entwickeln darf.


Lieber Gruss Biggi