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Bemerkenswertes zu künstlichen Hormonen
Clomifen

Clomifen

Liebe Frauen,

 

ich werde hier mal meinen Grundsätzen untreu und tu dies auch ganz bewusst.

 

Ich habe mich als Heilpraktikerin auf die Kinderwunschtherapie spezialisiert und mich deshalb bisher nur zu solchen Arzneien geäußert, die aus der Naturheilkunde oder der Homöopathie stammen. Darüber hinaus habe ich bisher noch nie Stellung bezogen zu all den Fragen über schulmedizinische Arzneien.

 

Ich dachte das wäre richtig so. Jeder schreibt halt über das, was er am besten kann.

 

 

Ich habe auch noch etwas anderes getan. Wann immer Frauen im Forum mich fragten ob sie nicht alles zusammen einnehmen könnten: das gesamte homöopathische Programm und außerdem noch zusätzlich das ganze schulmedizinische, so würde ich dies zwar niemals von mir aus empfehlen, aber ich antwortete dennoch: "Na klar, wenn es dir sooooo wichtig ist, dann tu das, es wird nicht schon nicht schaden!"

 

Dabei dachte ich daran, dass die Arzneien sich nicht gegenseitig stören würden. Und ich verstehe auch nur all zu gut, dass Frauen, wenn der Kinderwunsch denn allzu arg wird, sich zu der Hoffnung hinreißen lassen: "Viel hilft auch viel!"

 

Ich habe auch den Fehler gemacht, dass ich nicht wirklich zwischen den schulmedizinischen Arzneien unterschieden habe. Ich habe sie alle über einen bequemen Kamm geschert, der da heißt: Ich kenne diese Mittel nicht. Ich verordne sie nicht. Also kümmern sie mich nicht, gehen sie mich nichts an.

 

Dies möchte und muss ich nun wohl doch revidieren.

 

Am vergangenen Wochenende hatten wir ein Kinderwunschseminar auf Rügen. Zum ersten mal waren hier auch einige Angehörige dabei. Dies erwies sich als sehr bereichernd. In vielerlei Hinsicht.

 

Einer der Ehemänner ist nämlich Professor der Chemie. Als seine Frau uns dann eines Abends ihre "Kinderwunsch-Geschichte" erzählte, erwähnte sie, dass ihre Ärztin sie vor die Entscheidung gestellt hätte, Clomifen zu nehmen und sie sich dagegen entschieden hätte, dies einzunehmen.. Ihr Mann erklärte uns dann sehr ausführlich und sachlich, welche Gründe zu dieser Ablehnung geführt hatten.

 

Sie beide sind ein Paar, welches auf ganz reizende und wunderbare Weise gemeinsam mit ihrem Kinderwunsch umgehen. Da lag es nahe, dass er als Chemiker die verschiedenen Bibliotheken durchstöberte, um genauere Informationen und Forschungsergebnisse zu finden. Von diesen Ergebnissen berichtete er uns und wir waren alle doch recht erschrocken. Die Informationen, die er zusammengetragen hatte, gingen weit über das hinaus, was wir in der Roten Liste als Nebenwirkungen finden können, oder gar das, was die meisten Gynäkologen ihren Patientinnen gegenüber als Nebenwirkungen formulieren.

 

Wir haben dann noch auf Rügen lange darüber diskutiert. Dabei waren Frauen, die Clomifen bereits genommen hatten, andere wieder hatten es abgelehnt oder gar nicht erst angeboten bekommen.

 

Versteht mich - oder in diesem Falle uns - bitte nicht falsch.

 

Das letzte, was hiermit beabsichtigt ist, ist eine Verunsicherung oder Panikmache. So manche Frau hat ihre Schwangerschaft diesem Arzneimittel zu verdanken und das ist auch gut so.

 

Wir fanden aber, dass man uns Frauen generell derartige Informationen nicht vorenthalten sollte. Jede Frau sollte die Möglichkeit haben, sich genau zu informieren, damit sie sich dann am Ende selbst entscheiden kann. Da diese tiefere Information aber fehlt, sie ja vielleicht sogar den Ärzten selbst vorenthalten wird, haben wir beschlossen, sie hier in die Homepage zu stellen.

 

Da M. im Augenblick wenig Zeit hat, hier vorweg eine grobe Zusammenfassung. Sobald Zeit dafür ist, wird er diese Informationen ergänzen und erweitern.

 

Hier also vorab ein Auszug:


 

Hallo liebe Biggi,

 

...................M. hat sich gleich noch an die Kiste gesetzt und die Clomifen-Quellen, die er parat hatte, aufgeschrieben. Ich hoffe, das ist für den Anfang ausreichend. M. ist jetzt die nächsten drei Wochen non-stop unterwegs, hat aber vor, sobald er die Möglichkeit dazu hat, in die Max-Plank-Bibliothek in Mainz zu gehen, um noch mehr Infos zu sammeln.

M. ist promovierter Chemiker und hat schon ein bisschen Ahnung. Er hat mir ganz klar gesagt, dass es ihm nicht recht wäre, wenn ich Clomifen nähme. Meine Ärztin, die sich mit Äußerungen aller Art sehr zurückhält, hat mir zwar gesagt, dass jetzt wohl Clomifen an der Reihe wäre, sie aber mir die Entscheidung überlässt, ob ich es nehme oder nicht. Sie sprach von Nebenwirkungen wie Krebs und Mehrlingsschwangerschaften.

Letztendlich muss jede Frau selbst entscheiden, welche Medikamente sie nimmt oder nicht, sie muss aber eine faire Chance bekommen, das Risiko selbst einschätzen zu können. Es soll keine Panikmache veranstaltet werden und auf keinen Fall sollen die Frauen verunsichert werden. Die Frauen sollen aber wissen, worauf sie sich einlassen!

 

Ich häng das ganze als Word-Dokument dran und hoffe, dass Du es öffnen kannst.

 

Ganz viele liebe Grüße

 


 

Hallo Biggi,

 

anbei der Text aus den angegebenen Büchern, die ich in der Kürze der Zeit wieder finden konnte. Meiner Meinung nach kann man aus den Aussagen nicht einwandfrei folgern, dass die Gabe von Clomifen mit einem akzeptabel niedrigen Risiko verbunden ist. Im Gegenteil: es gibt widersprüchliche Untersuchungsergebnisse und – auch wenn man das nicht zu 100 % auf den Menschen übertragen kann – negative Ergebnisse aus Tierversuchen. Gemäß dem zweiten Zitat (das Buch ist zwar schon 11 Jahre alt, aber die negativen Ergebnisse von damals sind – wie ich denke - heute genauso gültig) ist die Anwendung von Clomifen bei Frauen völlig abzulehnen!

 

Deshalb finde ich, dass die Patientinnen bei denen die Gabe von Clomifen bedacht wird zumindest über die großen Bedenken, die dieses Mittel angehen, informiert werden müssen.Liebe Grüße M.

 


 

 

Quelle:„Arzneimittel in der Schwangerschaft und Stillzeit“Ein Leitfaden für Ärzte und Apotheker" Ein Leitfaden für Ärzte und Apotheker, Kleinebrecht – Fränz - Windorfer5. Auflage (1999) Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart

 

 

(Seite 108) „Clomifen

 

ist in den Verdacht geraten, Neuralrohrdefekte (Anmerkung: Neuralrohr = Nervenbahn) zu verursachen. In vielen Untersuchungen, die mittlerweile einige tausend Schwangerschaften umfassen, konnte dieser Verdacht letztendlich nicht bestätigt werden. "Eine erneute Beurteilung dieser Studien ergab einen Risikofaktor nahe 1 (= 100 %, meine Anmerkung) für Neuralrohrdefekte. Es muß im übrigen bedacht werden, daß Clomifen zur Induktion der Ovulation eingesetzt wird. Die Frauen sind somit eine Risikogruppe. Es könnten also andere Faktoren in den verschiedenen Studien Ursache oder Mitursache der beobachteten Neuralrohrdefekte gewesen sein. Dies gilt auch für Herzgefäßmißbildungen, über die ebenfalls in kleinen Studien berichtet wurde.

 

 

 

Clomifen verursacht in Tierversuchen in Maus, Ratte und Affe Teratogenität Anmerkung: Teratogenität = Mißbildung). Bei einigen Rattenstämmen und bei Affen wurde Urogenitalfehlbildungen beobachtet.

 

Für diese Fehlbildungen gibt es beim Menschen keine Hinweise.

 

Clomifen induziert bei hoher Dosis in etwa 6 – 13 % der Fälle Mehrlingsgeburten. Die spontane Abortrate ist ebenfalls leicht erhöht. Hier muß wieder darauf hingewiesen werden, daß die behandelten Frauen wahrscheinlich ein ohnehin erhöhtes Risiko für Spontanaborte haben könnten.

 

Ob Clomifen auch neuroektodermale Tumoren (einschließlich Neuroblastome) (Anmerkung: Blastom = Geschwulst) verursachen kann, ist nach zwei Studien nicht zu entscheiden. Hier müßten prospektive Untersuchungen zur Abklärung des Verdachts vorgenommen werden.

 

Wenn auch wenig für eine Embryotoxizität beim Menschen spricht, läßt sich ein kleines Risiko bisher nicht ausschließen.

 

Die Anwendung von Clomifen sollte deshalb sorgfältig abgewogen und eine Behandlung in der Schwangerschaft unbedingt vermieden werden.“

 


 

Quelle:

„Kurzes Lehrbuch Pharmakologie und Toxikologie“

Gustav Kuschinsky und Heinz Lüllmann

12. Auflage (1989)

Georg Thieme Verlag Stuttgart

 

(Seite 412) „....darüber hinaus kann es aber bei weiblichen Nachkommen von Müttern, die während der Schwangerschaft mit Diethylstilbestrol behandelt wurden, Karzinome von Vagina und Zervix induzieren. Diese treten bei den betroffenen jungen Frauen bevorzugt im Alter von 20 – 25 Jahren auf. Wegen der karzinogenen Potenz wird die Anwendung der Stilbenderivate (Anmerkung: Clomifen ist ein Stilbenderivat) mit estrogener Wirkung bei Frauen völlig abgelehnt.“

 


 

Es ist immer schwierig, wirklich zu verstehen, welche Forschungsergebnisse und welche Beweggründe letztendlich dazu führen, was uns Patientinnen dann schließlich als Nebenwirkung präsentiert wird, und was nicht.

 

Der Vollständigkeit halber möchte ich die in der Roten Liste Ausgabe 1999 angegebenen Nebenwirkungen hier aufschreiben:

 

Clomifen-r

 

Anwendung: Zur Auslösung des Eisprungs bei Frauen mit Sterilität infolge ausbleibender Ovulation

 

Gegenanzeigen: Hypophysen - u. ovarielle Tumoren, ungeklärte Uterusblutungen, ovarielle Funktionsstörungen, Ovarialzysten, Lebererkrankungen, Leberfunktionsstörungen (auch in der Vorgeschichte), Blutgerinnungsstörungen.

 

Schwangerschaft: Kontraindiziert, Obgleich ein teratogenes Potential von Clomifen bisher nicht bewiesen wurde, muss eine Anwendung von Clomifen während der Schwangerschaft unbedingt vermieden bzw. ausgeschlossen werden. Deshalb sollte der Einleitung einer Clomifenbehandlung eine spontane oder eine Gestagen-induzierte Menstruation vorangeschaltet werden.

 

Cave: (Anmerk.= das heißt Achtung, Vorsicht) zu spätes Absetzen von Clomifen nach induzierter Ovulation und Konzeption!

 

Stillzeit: Kontraindiziert. Es ist nicht bekannt, ob die Substanz in die Muttermilch übergeht.

 

Nebenwirkungen: Allergische Hauterscheinungen (selten), Passagerer Haarausfall (selten),Kopfschmerzen (gelegentlich, reversibel),Nervosität, Schlaflosigkeit, Benommenheit, depressionen, Müdigkeit (selten),Lichtempfindlichkeit (selten),Sehstörungen (gelegentlich), Augenflimmern, entopische Erscheinungen wie Fleckensehen oder Lichtblitzen (Einzelfälle) (reversibel)

 

Unterbauchbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen (gelegentlich, reversibel),Salzretention,Gewichtzunahme (selten),Polyfollikuläre Reaktion (Mehrlingsschwangerschaften möglich) ausnahmsweise Übergang in Überstimulationssyndrom. Im Extremfall gehen ausgeprägte ovarielle Zysten mit Aszites - (Anmerk: = Bauchwassersucht) und Hydrothoraxbildung einher.

 

Vergrößerung der Ovarien (häufig).Brustspannen (gelegentlich, reversibel),Verstärkte Regelblutungen (selten),Hitzewallungen (häufig)

 

Erhöhte Gefahr thromboembolischer Ereignisse bei schwerer Überstimulierung der Ovarien durch Salzretention, Hämokonzentration und erhöhte Thrombozytenaggregation.

 

Hämokonzentration, erhöhte Thrombozytenaggregation,Häufige Miktion (selten)

 

 

 

 

 

Ganz besondere Angst hatte ich vor der Vorstellung, wie sich vielleicht manche Frau fühlen mag, die bereits mehrfach Clomifen eingenommen hat. Es wäre mir sehr unangenehm, möglicherweise im Nachhinein Zweifel oder Verunsicherung zu stiften.

 

Meine Entscheidung, dies hier doch zu veröffentlichen traf ich vielmehr für all diejenigen unter uns, denen eine eine Entscheidung darüber, ob sie es nehmen wollen oder nicht, noch bevorsteht.

 

Ich finde, man sollte uns derartige Informationen nicht vorenthalten. Jede von uns hat ein Recht, angemessen aufgeklärt zu sein darüber, was mit ihrem Körper geschieht.

 

Und dann können wir alle Faktoren in unsere Waagschale legen und vernünftig abwägen und entscheiden.

 

 

Heutzutage wird man solche Informationen in den Beipackzetteln des Clomifens nicht mehr finden. Es ist nur noch von Überstimulierung und dem Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft die Rede.

 

 

Lieber Gruss

 

Biggi, November 2000

 

Übrigens habe ich vor, diese Seite zu erweitern. Wenn also jemand sich ebenfalls weiterführend informiert hat, oder diese Informationen zu ergänzen weiß, der maile mich gerne an.