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Highway der Empfängnis
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Highway der Empfängnis - Teil 3

Guten morgen, ihr Lieben.

Ich möchte so gerne fortführen, was ich gestern begann.
Gestern schrieb ich über den homöopathischen Einstieg in eine alternative Kinderwunscharbeit.

Aber wir wissen ja, dass das nicht alles ist. Auf keinen Fall.
Die Homöopathie hat die Kraft, einen Körper zurück zu bringen in seine ureigene Tendenz, sich selbst zu heilen. So streben wir eine körperliche Gesundheit an, das ist gut so.
Allerdings – und hier haben wir es mit einem handfesten Wiederspruch zu tun – gibt es vollkommen gesunde Frauen, die anscheinend nicht empfangen können.

Aus diesem Wissen heraus kann jede von uns, die sich dieser Frage einmal analytisch stellt nur zu einer Erkenntnis kommen: Es ist eben nicht nur körperliche Gesundheit erforderlich.
Auch der Rest dessen, was uns als „ganzer Mensch „ ausmacht, muss wohl gesund sein, wenn er empfangen will. Und vermutlich muss es sogar noch gewisse Dinge darüber hinaus geben.

Diese Form der Gesundheit, insbesondere auch der seelischen Gesundheit, die hier gemeint ist, ist nicht so ganz einfach zu verstehen, denn sie stellt sich gänzlich anders dar, als wir es landläufig so gewohnt sind.

Fragen kreisen uns im Kopf herum.
Warum bekommt meine Nachbarin, meine Schwägerin ein ungewolltes Kind, und ich keines, obwohl ich es mir doch so sehr wünsche?
Warum sind für andere Frauen deren Kinder allesamt Verhütungsunfälle, und meines immer noch meine Wunschkinderseele?
Warum ist die Alkoholikerin, die ich jeden Morgen an der Imbissbude saufen sehe schwanger?
Warum kommt es sogar nach Vergewaltigungen zu Schwangerschaften?
Warum kommt es überhaupt zu Schwangerschaften?

Was die meisten Frauen für sich schon ahnen, wenn sie hier zu uns ins Forum kommen ist:
Man darf sich ein Kind nicht „zu“ doll wünschen, sonst klappts nicht.

Da mag etwas dran sein.

Also versucht man, seinen Kinderwunsch zu tarieren.
Wir versuchen, unseren Kinderwunsch möglichst auf Sparflamme zu halten, damit wir erstens ja nicht zu „doll“ wünschen, und zweitens dabei nicht unter die Räder kommen, denn zu traurig ist das Jammertal, das der freudigen Hoffnung auf ein Kind zu folgen droht.
Hier sind wir längst gefangen in einer Falle, die wir ja tunlichst umgehen wollten. Und nicht jede von uns ist sich darüber im klaren. Immer noch denken wir, hoffen wir, diese Falle umgehen zu können. Sind ein wenig blind vielleicht?

Das wäre verständlich, deshalb schreibe ich es klipp und klar: Du bist schon drin!!!!!!!

Gefangen in der Kinderwunschfalle, gefangen in einer endlosen Achterbahn der Gefühle, gefangen zwischen Eisprung, Thermometer und Menstruation.

Und dann kommt auch noch Biggi daher und sagt: Hör auf damit! Steig aus, und zwar sofort. Es macht keinen Sinn, dort zu bleiben, wo du bist. Es ist unschön, es ist gemein, und du irrst dich hundertprozentig, wenn du glaubst, durch dieses Martyrium deinem Kind auch nur einen einzigen Schritt näher zu sein. Ich sage dir, dass das Gegenteil die Wahrheit ist: Egal, wie gut oder schlecht deine ureigene Empfängniskraft auch sein mag, sie kann in der „Falle“ immer nur noch schlechter werden.

Das sind harte Worte, und ich lese sie gerade stirnrunzelnd noch einmal. Ich werde sie so stehen lassen, auch, wenn ich dabei etwas Bauchschmerzen bekomme. Ich glaube nämlich, es ist wichtig, auch hier einmal Klartext zu schreiben.

Was tun wir nicht alles, für unser Wunschkind?
Was sind wir bereit, auf uns zu nehmen, nur um diese Empfängniskraft in uns zu stärken.
Wir verzichten vielleicht auf vieles
Vielleicht haben wir längst schon aufgehört zu rauchen, um damit im Vorfeld schon die besten Bedingungen für unser Kind zu schaffen.
Wir trinken wenig Alkohol, und vielleicht hatten wir neulich ein schlechtes Gewissen bei einem Glas Sekt, denn immerhin hätte es ja sein können, dass wir längst schwanger sind, ohne es schon zu wissen.
Wir achten vermutlich auf eine gesunde Ernährung, frische Luft.
Wir wissen ziemlich genau, wie wir als Mutter dann sein werden und haben vielleicht das Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen“ längst gelesen und verinnerlicht. (Und dabei übersehen, dass jedes Neugeborene schlafen KANN!)
Es ist ganz so, als verhielten wir uns in all unserer Perfektion schon ebenso, wie es eine bereits schwangere Frau täte.

Viele Frauen haben festgestellt, dass sie während ihrer Kinderwunschphase an Gewicht zugenommen haben.
Warum nur ?

Kommt ihr nun selbst drauf?
Und , darf ich noch ein wenig nachhelfen?
Die aufgezählten Eigenschaften und noch einige viele mehr, sind allesamt Verhaltensweisen, die eine Schwangere zeigt.
Warum bitte sollte ein Körper, oder eine Seele, oder das Unterbewusstsein – wie immer wir es auch nennen wollen – welches sich bereits schwanger wähnt, noch auf eine Schwangerschaft zusteuern?

Mit solch zölibatärem Verhalten bremsen wir unser Unterbewusstsein in seinem Bestreben nach Fortpflanzung schlichtweg aus. Wir haben ihm sozusagen ein Bedürfnis, ein Grundbedürfnis sogar, geklaut, allein durch „Vortäuschung falscher Tatsachen“. Vortäuschung hier auch deshalb, weil eben dieses Verhalten ja nicht aus unserem Instinkt, unserem Bedürfnis, unserer Lust hervorgeht, sondern im Gegenteil ein Maßregelungsverfahren gegen ebendiese sind.

Also stehe ich wieder hier und sage: Lassen wir das doch! Zölibat, Askese und Martyrien sind Mönchen vorbehalten, und diese vermehren sich üblicherweise nicht.
Es ist wichtig, sein Leben zu genießen, und zwar in vollen Zügen.

Wir können das auch mal so betrachten.
Früher waren die Frauen recht früh schwanger. Die Zeit unmittelbar nach der Pubertät war die Zeit, des „Empfangens“.
Nun haben sich die Zeiten geändert, wir Frauen bilden uns auch, zum Glück, und machen Karriere. Das heißt Leistungsgesellschaft, Selbstbewusstsein, aber auch Selbstkontrolle. IN diesem Lebensstil sind wir in unserer Kinderwunschzeit dann sehr viel weiter von unserer Pubertät entfernt, als es unsere Vorgängerinnen längst vergangener Tage einst waren.

Aus diesem Gedankengang könnte man ja, mit etwas Fantasie sagen: Benimm dich doch einfach mal etwas pubertär, denn dieser wichtige Lebensabschnitt scheint die Startrampe auf dem Highway zur Empfängnis zu sein.

Ein bisschen weit hergeholt, ich weiß.
Andererseits gibt es nicht einen einzigen Grund, Nichtraucher, Antialkoholiker, Vegetarier oder Kalendersexler zu sein, um empfangen zu können. Nicht einen einzigen.

Vielleicht ist ja eine Möglichkeit, aus unserer Falle schon mal ein kleines Stück weit heraus zu blinzeln, wenn wir uns hierüber einmal Gedanken machen. Unsere Gefühle zu befreien, dass dauert schon etwas länger, und wird auch mit Sicherheit etwas kompliziert werden. Es ist aber zu schaffen, dass sehen wir hier täglich. Und es ist immer richtig, einen ersten kleinen Schritt zu gehen, auch dann, wenn das Ziel uns vielleicht soooooo unerreichbar weit weg erscheint.
Versuchen wir es doch einfach mal.
Zunächst verändern wir immer uns selbst. Und dann verändert sich alles um uns herum.
Und dann schon staunen wir, wie alle „anders“ zu uns sind.
Das ist ganz einfach, geht ganz schnell.
Es ist auch nicht gefährlich, denn in die alten Verhaltensmechanismen zurück zu kehren steht ja jedem dann offen.

Wie wäre es vielleicht mit einer kleinen Portion Humor an dieser Stelle?
Kann das lustig sein, sich vorzustellen, wie die Umgebung, der Ehemann, die Eltern reagieren, wenn wir uns plötzlich uns unerwartet, aufführen wie die Kinder, oder schlimmer noch, wie Pubertierende?
Wie reagiert wohl der Kellner, wenn wir den Nachtisch zuerst bestellen?
Wie reagiert wohl der Friseur, wenn wir unseren angeschnittenen Haaren einfach kurz mal nachweinen?
Wie reagiert der Chef, die Kollegen, wenn wir unser zu-spät-Kommen erklären mit: „Tut mir, leid, aber der Film heute morgen war sooo spannend“.
Wie reagiert die Bank, wenn wir in den Verwendungszweck eines Kreditantrages schreiben: Ich will das Geld verprassen und mir ganz viel Klamotten kaufen.?
Wie reagiert der Ehemann auf die Beulen im neuen Sportwagen, wenn wir ihm lauthals lachend das kaputte Auto zurück geben, und ihm prustend erklären: „ Zu eng. Die Lücke war einfach zu eng!!!!“

Wir könnten es als ein Spiel betrachten.
Und hätten schwuppdiwupp schon mal den Humor wieder zu Hause. Ach, da fällt mir ein: Wie lange ist es wohl her, als du das letzte Mal so richtig herzhaft gelacht hast. Wann hattest du das letzte Mal so einen richtig guten Tag, voller Kraft, Glück, und einem andauernden hübschen Lächeln auf dem Gesicht?
Ich weiß, ich werde jetzt gemein, verzeiht mir das bitte. Wir haben uns lange genug etwas vorgemacht. Ich möchte so gerne, dass wir die alten Gefilde- und sei es nur versuchsweise- doch einmal verlassen. Und dafür scheint es mir notwendig, den einen oder anderen kleinen Fehler ein mal aufzuzeigen. Das ist nicht persönlich gemeint. Nein, es ist ja eigentlich ein tägliches Handwerk, zu fragen: „Wann hast du deine Kraft und deine Glücklichkeit verloren?“

Denn so ist es doch, nicht wahr?
Wir sind ganz, ganz weit davon entfernt, die ausgeflippte, fröhliche Teenagerin zu sein.
Denn unser Kinderwunsch hat uns mürbe gemacht.
Er hat uns ein wenig einfrieren lassen.
Und uns unendlich traurig gemacht.

Wir schweigen, denn uns versteht sowie so niemand so richtig.
Wir erntfernen uns von unseren Partnern, denn sie bekommen höchstens die Spitze unseres traurigen Eisberges mit, und wenn wir dann , ganz selten, doch einmal mit ihnen reden möchten, dann kommen sie uns mit einem machiavellistischen Zweckoptimismus, der uns zwar trösten soll, uns aber nur noch viel saurer macht: „Ach, das klappt schon irgendwann, da bin ich ganz sicher“.
Kurz gesagt, wir isolieren uns.

Was ist das nur für ein trauriges Bild.
Ich frage mich gerade, ob ich, wäre ich eine kleine Kinderseele auf der Suche nach meinen Eltern, mich für solche Eltern entscheiden würde ?

Wumms, und da kommt sie schon: die Schuld, unsere gute alte Freundin, und wir befinden uns auf der nächsten Station: ICH habe wohl alles falsch gemacht, Ich bin schuld, dass ich nicht empfangen kann, mein verräterischer Körper taugt nicht.

Und das lassen wir mal ganz schnell sein, ja ?

So ist das nicht gemeint. So meine ich das nicht. Und vor allem: die Natur meint so was nicht.
Im Laufe der letzten Jahre haben wir ein ganz riesiges Wissen darüber zusammen getragen, welche Faktoren es wohl braucht, damit aus dem Wunsch nach Leben dann auch Leben wird.
Es ist noch immer nicht die Antwort auf diese Frage. Aber eine ungeheure Annäherung. Wir werden uns dem später noch zuwenden. Wir haben doch gerade erst angefangen.

Und so ist es auch nicht so zu verstehen, dass wir, wenn wir denn alles so tun, was Biggi und das Forum so sagen, dann auch eine Garantie auf unser Wunschkind hätten. Das, was wir hier erreichen können ist ebenso wieder nur eine Annäherung an eine körperlich und seelisch gesunde Frau und Mutter.

Das Leben setzt sich nicht im Schuldprinzip fort. Deshalb ist es überflüssig, an seiner Statt die Schuld auf uns zu laden. Und unbequem obendrein.
Da macht es Sinn, einmal die Augen zu schließen und zu sagen: „Ich spreche mich frei von Verantwortung, ich spreche mich frei von Schuld. Ich fühle mich als Teil dieser Schöpfung, und deshalb werde ich geliebt, und zwar so, wie ich bin“

Unser Unterbewusstsein hört uns immer zu. Lernen wir also diesen Satz auswendig, damit wir ihn unserem Unterbewusstsein immer und immer wieder flüstern können. Das klingt so banal und ist doch eine der größten Waffen, die wir für die Schuld haben.
Ihr könnt das noch nicht so ganz glauben?
Es kostet nichts, es einfach aus zu probieren.
Und es dürfte spannend sein, sich vorzustellen, wie wir uns ohne diese Schuld fühlen.
Ist die Schuld, als eines von unzähligen Gefühlen in uns dann erst wieder am rechten Platz (auf unseren Schultern hat diese nämlich nichts zu suchen, und man bekommt einen krummen Rücken davon), dann werden sich ganz automatisch gleichzeitig auch andere Gefühle wieder richtig platzieren. Stellt euch vor, wie schön das wäre, wenn wir damit unseren gesunden Menschenverstand sponsern könnten, den Humor etwas Düngen....?

Da wären wir ein ganzes Stückchen weiter, auf unserem Weg zurück in die Pubertät, oder unserem Weg vorwärts zu einem Bild von Frau, das wir zwar eigentlich alle tief in uns tragen, von dem wir uns aber in all unserem Ehrgeiz, eine „gute“ Frau zu sein, so richtig schön entfernt hatten.

Warum glauben wir eigentlich, dass etwas, das wir uns so sehr !!!!!! wünschen, immer auch sehr schwer zu erreichen ist?

Mein Vater ist ein Mensch, der merkt sich so schöne Leitsätze. Die meisten sind aus der Physik. Einer aber, und den liebe ich besonders, der ist ein allgemeiner. Er lautet in etwa:
Die Lösung der schwierigsten Dinge ist meistens genial einfach!

Dieser Satz der schwebt hier gerade so im Raum herum, während ich euch dies schreibe, und es scheint, als würde ich ihn euch und uns entgegensetzen wollen.
Die bisher erwähnten Anstrengungen, wie sie sich im Kinderwunsch so einschleichen, bringen uns keinen Schritt weiter. Lassen wir sie also.

Versuchen wir also , unser Problem genial einfach zu lösen.

Was wäre denn genial einfach?
Vermutlich dies hier:
Das Leben setzt sich von ganz alleine fort.
Der Fortpflanzungstrieb des Menschen ist ein Grundbedürfnis, welches der Erhaltung der Art dient und nicht erlernt werden muss.
Jedes junge Mädchen ist so fruchtbar, dass alle so sehr Angst haben vor dieser Fruchtbarkeit, dass sie oft sogar noch vor ihrer vollen Entfaltung gezähmt, beschnitten, gebremst, verhindert werden muss. Deshalb hat man uns schon in der Pubertät die Anti-Baby-Pille in die Hand gedrückt. Deshalb ist Verhütung eines der größten Themen gewesen, bei jedem kleinen Ausgang, jeder kleinen Party und später bei jeder kleinen Affäre.
Welch ein Wiederspruch: Wir können doch sagen, dass unsere Sexualität ein Bestandteil unseres Fortpflanzungstriebes ist. Ihm gaben wir uns hin. Und beteten dabei: Bloß nicht schwanger werden.

DAS waren noch Zeiten. Die Vorsorge vor einer ungewollten oder verfrühten Schwangerschaft ist doch wohl Beweis genug, wie sehr wir diese Fortpflanzungsprinzipien fürchteten, die in uns und durch uns wirken.

Ich möchte dieses Verhalten auf keinen Fall werten. Hätte ich heute eine Tochter im entsprechenden Alter, ich würde, ganz klar, ebenfalls zur Verhütung anhalten. Darum soll es uns hier nicht gehen.

Ich möchte, dass wir uns daran erinnern, wie schön es war, als wir dieses Potential zur Fortpflanzung noch in uns trugen, und zwar in einer vollkommen – verzeiht mir den Begriff- unversauten Form.

Es sind gesellschaftliche Einflusse und Entwicklungen, die die Ursache hierfür sind.
Nicht wir selbst!!! Wir tragen keine „Schuld“ daran, auch wenn die meisten von uns Karrierefrauen sind, und zwar deshalb, weil sie in jungen Jahren ordentlich verhütet haben.

Schauen wir uns lieber das gute an diesen Überlegungen an.
Empfinden wir lieber noch einmal dieses wundervolle Gefühl von damals, als wir noch gut damit zu tun hatten, unsere Fruchtbarkeit zu zügeln. Da war das Vertrauen in eben diese Fruchtbarkeit und die Tatsache, dass sie beim besten Willen nur schwer fern zu steuern ist, noch voll auf der Höhe.
Hierhin gehen wir gerne mal zurück.
Und nehmen dieses Gefühl in uns auf.
Lassen es groß werden, ganz groß.
Und behalten es am besten.
Sagen wir uns: ich bin mega fruchtbar!

Schalten wir nun wieder den Kopf ein.
Welchen Sinn mag es haben, etwas kontrollieren zu wollen, was ganz offenkundig nicht zu kontrollieren ist?
Es macht keinen Sinn. Überhaupt keinen!

Schaut euch doch mal mit dieser Brille um!
Wie viele Kinder sind ein sogenannter „Unfall“? Kann das wirklich sein, dass voll aufgeklärte Paare wirklich zu dämlich sind, „ordentlich“ zu verhüten?
Hört den Müttern zu, die da sagen, sie hätten sonst wann empfangen, aber nicht zum errechneten und gemessenen Eisprung?
Schaut euch die Wachstumstabellen der Kinder in ihrem Mutterleib an. Je früher eine Schwangerschaft ist, desto mehr weichen die süßen kleinen von den für sie , wieder mal zur „Vermessung“ vorbereiteten, Tabellen und Richtlinien ab. Der „errechnete“ Geburtstermin wird dann in der Regel „korrigiert“, und es bleibt überdies vollkommen fraglich, wann das Kind nun kommen wird. Es kommt nämlich, wann es will.
Im Gegenzug, und das beleuchtet diesen Blödsinn noch mehr, versuchen sich unendlich viele Kinderwunschpaare im Sex nach Kalender –und werden nicht schwanger.
Weil die Kinder vielleicht kommen, wann sie wollen, und nicht , wann wir wollen ?

Dies einmal alles zusammen genommen macht auf der logischen Ebene schon jeden Kontrollversuch überflüssig. Er führt zu rein gar nichts. Da mag es leichter sein, mit einer kleinen Bonsai-Züchtung Geld zu scheffeln.

Ich kann euch nur anraten, solche Kontrolltendenzen ein für alle mal in die Binsen zu schmeißen und eure Zeit mit Sinnvollerem zu verbringen. Geht zum Frisör, geht ins Kino, macht mal Urlaub oder gönnt euch ein gutes Buch. Die Wahrscheinlichkeit so schwanger zu werden ist nämlich größer.

Der Versuch, seinen Körper und seine Funktionen zu kontrollieren ist nämlich nicht nur ein vollkommen falscher Ansatz, egal was unsere Sexualkundelehrer uns einst lehrten, das schlimme ist, dass wir damit einen gewaltigen Schaden anrichten, und uns unter Umständen hierdurch von unserem Wunschkind noch mehr entfernen, als wir es ohnehin schon taten.

Die Natur will sich nicht kontrollieren lassen.
Deshalb macht sie es uns immer wieder und in den unterschiedlichsten bereichen unmöglich, genau dieses zu tun.

Ich mag das Beispiel von Robin Baker, der das in seinem Buch „Krieg der Spermien“ so schön beschreibt:
Er sagt, dass der Fortpflanzungstrieb, wenn man ihn mal evolutionär betrachtet, ja stets auch eine Selektion im Auge hat.
So ist es so, dass der Mann in der menschlichen Gesellschaft zuständig sei für die Evolution, also dafür, sich zu vermehren.
Die Frau sei zuständig für die Selektion. Das bedeutet, sie schaut stets nach guten Erbanlagen. Und darüber hinaus bringe sie immer auch Konkurrenzspermien ins Spiel.
Das macht Sinn, auch wenn die Evolutionsgedanken uns am Beispiel Mensch wohl schwerer fallen, als am Beispiel Tier.
Wir alle kennen diese Prinzipien, und wir wissen, dass die Natur über etliche Mechanismen verfügt, ihr Evolutionsprinzip zu verifizieren.

Wüssten Mann und Frau, an welchen Tagen eine Empfängnis möglich wäre, dann würde dies das Evolutions-Selektionsprinzip erheblich stören.
Der Mann hätte es ganz leicht, sein Prinzip zu leben, er bräuchte ja nur zur richtigen Zeit am richtigen Platz zu sein, und hätte, was er wollte: sich fortpflanzen.
Die Frau aber könnte ihr Prinzip der Selektion nicht leben.

Die Natur hat sich daher so eingerichtet, dass der Mann die fruchtbaren Tage der Frau in der Regel nicht kennt. Und die beste Gewährleistung, dass er sie nicht kennt, ist, dass auch die Frau selbst sie nicht kennt.

Soviel von Robin Baker.
Ich persönlich möchte hier noch hinzu fügen, dass wir das immer wieder beobachten: Je mehr eine Frau versucht, ihren Zyklus zu kontrollieren, desto mehr beginnt er zu „Tanzen“.
Ja, er tanzt uns regelrecht auf der Nase herum.

Es mag die eine Sache sein, sich selbst und seinen Körper kennen lernen zu wollen.
Eine andere ist es, in seine Wirkungsprinzipien eingreifen zu wollen.
Allein schon Sex nach Kalender ist ein solcher Eingriff.
Allein schon hiermit wirken wir den Lebensprinzipen entgegen.
Unsere Lust wird anfangen, unkalkulierbar zu werden. Vermutlich zieht sie sich zurück.
Das „Zocken“ fällt weg, dieses unbeschreibliche Gefühl, das „Risiko“ einer Schwangerschaft einzugehen, dieses Flair von Verbotenem, Spannendem wird nach und nach eingetauscht, in einen kleinen gemeinsamen Nenner: ein bestimmter Akt zu einem bestimmten Termin.
Wie unromantisch, wie traurig. Denn durch die immer weniger werdende Lust schleichen sich Risse auf in unserer Partnerschaft. Und der nächste Kalendersex wird dann vielleicht noch schlechter. Wir entfernen uns von unserer Lust, unserer Triebhaftigkeit, verpassen so manchen Orgasmus, und wofür? Dafür, dass es so ja anscheinend auch nicht funktioniert?

Vielleicht wird euch jetzt klar, warum ich niemals begeistert antworten kann auf Postings, die angefüllt sind mit Temperaturkurven, gemessenen Eisprüngen, schwankenden , vorhandenen oder nicht vorhandenen Zyklen, mit den kompliziertesten Angaben über Hormonhaushalte, -abweichungen und – Katastrophen.

Sie sind nicht nur überflüssig, sie schaden.
Sie machen krank und traurig.
Sie entfernen vom Ziel.
Und sie funktionieren noch nicht einmal.

Ist es nicht so, dass unser Wunschkind einst ein ganz wundervolles zu Hause haben soll?
Mit allem drum und dran, und vor allem mit den liebenswertesten und glücklichsten Eltern, die man sich vorstellen kann?
Und wie weit haben wir uns von diesen Musterbedingungen entfernt, wenn wir unsere Lust in einen Terminkalender verwandelt haben?

Das wollten wir doch nun wirklich nicht: Unseren Kindern dann eine verknöcherte, subtemperierte Partnerschaft als Musterelternschaft vorgaukeln?

Und machen wir uns einmal eines klar: das Glück in unserer Beziehung kommt nicht mit unseren Babys zurück. Darum müssen wir uns schon selbst kümmern. Und zwar eher heute als morgen.

So mag dieses nun ein weiterer kleines Schritt sein, ganz am Anfang unserer Kinderwunschphase: dass wir dafür Sorge tragen, dass dies nicht so kommen wird, wie ich es euch gerade schwarzgemalt habe.

Das ist das, was wir tun können: Das Ruder herum reißen, welches uns in die entgegen gesetzte Richtung fährt, als wir uns unser Ziel setzten.

Stellen wir zunächst einmal unsere Partnerschaft in den Vordergrund. Öffnen wir uns wieder zunächst uns selbst, und dann unseren Partnern.
Erinnern wir uns an die ersten wundervollen, zärtlichen Nächte mit ihnen, uns setzen uns in eben diesen Nächten ein erstes kleines Ziel.
Lauschen wir wieder auf die klitzekleinen Anzeichen, die einer bevorstehenden Liebesnacht immer so ganz sacht vorausgehen. Es ist egal, wann sie kommen wird: Heute, Morgen, Übermorgen, nächsten Monat – es ist egal WANN, wichtig ist nur WIE.

Lernen wir wieder, unser Liebesleben einzubetten IN die Prinzipien der Natur, nicht gegen sie.
Ich weiß, das geht bestimmt nicht von heute auf morgen.
Aber, es geht.

Es wird ein Weg sein, der sehr, sehr schön sein kann.
Einer, der verspricht, dass wir uns wieder so richtig in uns, unsere Partner und das Leben an sich verlieben können, einer , der verspricht, dass wir eines Tages ganz unverhofft uns und unsere Partner nach Strich und Faden verführen werden, dass wir sie wieder erleben, die Ekstase unserer Vergangenheit und uns dann fragen werden: „Wie konnte ich mir das antun- mich soweit von mir selbst zu entfernen, und wofür?“

Einer, der uns hoffen lassen kann, dass auch die Zeit unseres Kinderwunsches auch eine ganz wundervolle Zeit sein kann, angefüllt mit vielen wunderschönen Dingen, die ja da sind, die ja immer da waren, die wir in unserem Kraftakt Kinderwunsch nur übersehen hatten.

Einer, bei dem wir am Ende von der Pechmarie zur Goldmarie werden, die da alles sieht und lieben kann, was ihr auf ihrem Weg begegnet. Die die Dinge nehmen kann, wie sie kommen. Und , die so sehr eins ist mit sich, dass sie nicht nur den Apfelbaum zur rechten Zeit am rechten Fleck dann schüttelt.
Ich bin sicher, sie erntet grundsätzlich alles, weil sie eben eine Ernterin ist. Und mit dieser Fähigkeit wird sie dann wohl auch über genügend Instinkte verfügen, um ihre empfängnisfähigen Tage nicht zu verpassen.

Gehen wir also gerne diesen einen ersten Schritt.
Es ist nicht wichtig, wann und wie wir ankommen.

Es ist wichtig, dass wir endlich vom Sofa hüppen und uns auf den Weg machen.

Ich stehe euch so sehr gerne dabei zur Seite.


Lieber Gruß
Biggi