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Fruchtbare Väter
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Vom Sinn und Unsinn vieler Kinderwunschstrategien

Vor allem aber schreibe ich dieses auch für die betroffenen Frauen und Partnerinnen. Sie sind es, die, weil es an medizinischen Behandlungen noch fehlt, doch all zu gerne selbst in die Bresche springen, und sich allein auf den Weg machen. Da wird gegoogelt, gelesen, gehört und probiert, was immer ihnen über den Weg läuft und hoffnungsvoll erscheint. So entsteht für so manch einen Wunschvater ein umfangreicher und vor allem experimenteller bunter Blumenstrauß an Möglichkeiten, die allesamt an ihm ausprobiert werden. Ob übelriechende Kräutertinkturen, umfangreiche Vitamin- und Mineraliencocktails, eingreifende Diäten und wahrliche Eingriffe in ihre Lebensweise, ja sogar in ihr Sexualleben - unsere Männer sind bereit, fast alles zu ertragen, wenn es denn nur der einen Sache dient: Ihre Frauen glücklich zu machen und dem Wunschkind ein klein wenig näher zu kommen.

 

Ich darf wohl sagen: Je ausführlicher eine Frau sich informiert hat, desto mehr hat sie am Ende dann auch an ihrem Mann ausprobiert, desto umfangreicher waren seine Sport-,  Vitamin-, Arznei- und Diätprogramme, desto länger ist seine Liste an Dingen, die er lieber unterlassen soll, sei es der Genuss eines Feierabendbierchens, etwas Fettgebratenes, eine ausgiebige Radtour oder eine spontane „Vergeudung“ seiner Spermien einfach mal so zwischendurch.

 

Am Ende wird er müde sein von all diesen Übergriffigkeiten und womöglich diätmuffelig. Und die Frau grübelt nun nicht mehr nur darüber nach, was sie als weiteres noch ausprobieren könnte, sondern auch darüber, wie weit sie noch gehen kann, wie viel ihr Mann noch mitmacht, und vor allem: Wie sie ihn dazu bringen kann, noch einen weiteren Versuch zu wagen, wie auch immer dieser aussehen mag.

Das ist unsere klare Erfahrung: Es wird eingegriffen, bis das Kind da ist, manchmal also jahrelang. das tut keiner Beziehung gut.

 

So wenden sich Frauen an uns mit der Frage, wie sie ihren Männern helfen können. Und die Männer wenden sich an uns, weil sie all der Kuren müde sind. Und weil sie vor allem spüren, dass all das keinen so rechten Sinn zu machen scheint, und vor allem ja: nicht hilft!

 

Die meisten dieser Unternehmungen sind ganz genau nicht mehr und nicht weniger, als dies: Versuche. In diese Versuchsreihe gehört aber mehr Ordnung, gehört mehr Verständnis, und vor allem zunächst einmal eine Notwendigkeit.

 

Das meine ich so: Wenn ein Mann in meiner Praxis mir erklärt, er habe seit 5 Jahren das Fahrradfahren aufgegeben, und seit ebenfalls 5 Jahren kein Feierabendbierchen mehr getrunken, seine Frau sei aber noch immer nicht schwanger- dann kann es doch im Nachhinein betrachtet weder an den Fahrradtouren noch an den Bierchen gelegen haben, dass das Paar nicht schwanger wurde, nicht wahr ? So gesehen war die ganze Askese dann umsonst?

 

Das Dumme an den vielen „Geheimrezepturen“ für eine vermeintlich bessere Spermienqualität ist: Sie bedrücken auf Dauer die Lebensqualität der Männer. Sie greifen ein in einige ihrer liebsten Domänen: Essen, Trinken, Sport und Sex. Das bedeutet, sie dürfen nicht mehr essen, ohne an den unerfüllten Kinderwunsch zu denken und ohne sich dabei täglich immer wieder daran zu erinnern, dass es ja schließlich ihre Spermienqualität ist, die zu wünschen übrig lässt. Das Gleiche gilt fürs Trinken, den Sport und vor allem für die Sexualität. Das tut ihnen nicht gut. Das tut auch der Partnerschaft nicht gut. Und letzten Endes sind all diese Maßnahmen zusammen dann es zu einem regelrechten Eingriff ins partnerschaftliche Glück geworden- und das geht entschieden zu weit!

 

Inzwischen ist doch schon so viel Pionierarbeit geleistet, und schon so viel Erfahrung gesammelt worden, dass wir leicht unterscheiden können zwischen einem sinnvollen, gezielten und vor allem zeitlich begrenztem Eingriff in diese Domains, oder aber einem verzweifelten „Allesausprobieren“.

 

Es ist mein Anliegen, mit diesem Gedanken ein wenig Ordnung hinein zu bringen in die vielen Möglichkeiten des Eingreifens und es wird mir hoffentlich möglich sein, Ihnen aus meinem Praxisalltag ganz andere und weitere Ansätze für die Betrachtung einer Zeugungsfähigkeit zu liefern.

Lassen Sie uns zunächst einmal betrachten, wie viel Gewicht die  Diagnose einer unzureichenden Spermienqualität haben kann und darf. Denn hieran erst bemisst sich doch die Wichtigkeit und Unwichtigkeit vieler Fruchtbarkeitsprozeduren……

 

Dafür verlasse ich nun das Kinderwunschpaar an sich und richte mein Augenmerk ganz kurz einmal einer allgemeinen Veränderung: Der nachlassenden Spermienqualität ganz allgemein.

 

Birgit Zart 2010