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Was Trauernden gut tut

 

 

Was tut Trauernden gut?

 

 

Was immer gut tut, ist Aufmerksamkeit. Anteilnahme. Diese darf zurückhaltend sein,  muss es aber nicht unbedingt. Trauernde sind grundlegend meist sehr viel offener für Aufmerksamkeit und Zuwendung als man das allgemeinhin denkt. Die landläufige Meinung, jemand, dem etwas schlimmes geschehen ist, jemand, der einen Schicksalsschlag, einen Todesfall hinnehmen musste, würde sich mit einer Decke über dem Kopf in seinem Schneckenhaus verkriechen und von dort aus weder etwas hören noch sehen wollen, sind nur in solch geringem Maße zutreffend, dass man sie vorerst missachten darf.

 

Das Problem ist vielmehr, dass viele Menschen genau diesem Irrglauben aufsitzen. Natürlich gibt es in einer akuten Trauersituation dieses Bedürfnis des „Sich-Einigelns“, und des „Sich-Verkriechen“-Wollens durchaus. Es kann von daher mit Sicherheit auch geschehen, dass man Trauernde „stört“, wenn man allzu direkt mit ihnen Kontakt aufnimmt. Ob es eine gute Idee ist, ungefragt vor der Haustüre zu stehen – darüber kann man durchaus nachdenken.

Aber es gibt so viele wundervolle und zurückhaltende Wege, Zuwendung und Aufmerksamkeit zu zeigen. Unser heutiges Zeitalter bietet uns vielerlei Möglichkeiten dazu – SMS schreiben, E-Mail schreiben, Karte schreiben oder tatsächlich: anrufen!

 

Die Hemmungen, die viele Menschen gegenüber Trauernder haben, sind durchaus nachvollziehbar. Was sage ich da nur? Wenn ich was Falsches sage? Über was kann man mit „denen“ jetzt sprechen? Ist das denn okay, wenn ich das Thema anspreche oder soll ich es vielleicht lieber lassen? Ist es okay, über mich zu sprechen oder über Dinge aus dem Alltag? Ist das vielleicht zu banal?

 

All diese Fragen sind durchaus berechtigt, und es ist Fakt, dass der Umgang mit Trauernden alles andere als einfach ist – es gleicht einem Hürdenlauf über eine Strecke voller dicker Fettnäpfe. Dennoch stellt man sich das ganze meist schlimmer vor als es eigentlich ist. Wer trotzdem Scheu und Angst hat, dem sei gesagt: Für Trauernde gibt es eigentlich nur eine einzige  Sache, die am schlimmsten ist: Ignoriert zu werden! Es ist wie in der ersten Hilfe – es gibt nichts Schlimmeres als nichts zu tun. Selbst wenn man etwas sagt oder schreibt, dass vielleicht dann eben NICHT passt, so wissen es die meisten immer noch anzuerkennen, DASS man überhaupt etwas gesagt hat.

 

Das spricht einen natürlich nicht von jedweder Sensibilität frei. Es gibt aber einige ganz einfache Regeln, an die man sich halten kann und mit denen man weniger Gefahr läuft, „ins Fettnäpfchen zu treten“.

 

Was man NICHT tun sollte, ist schlichtweg zusammen zu fassen in: Negieren! Ignorieren! Kleinreden!

 

Man darf den Trauernden ihren Schmerz nicht nehmen. Nicht ignorieren, nicht negieren. Aber vor allen Dingen sollte man sich nicht dem sehr natürlichen Impuls, unbedingt trösten zu wollen, unbedingt Tränen und Schmerz vermeiden zu wollen, hingeben – denn: es wird nicht funktionieren. Alle Tränen müssen geweint werden – wie und wann ist egal. Je mehr sie unterdrückt werden, desto mächtiger drängen sie nach draußen. Es ist nicht zu ändern, indem man etwas „zu beschwichtigen“ versucht. Es GIBT an der Situation nichts zu beschwichtigen. Sie IST nun einmal, wie sie ist. Traurig, schwierig, schlimm und verbunden mit Fassungslosigkeit.

 

Mit Sätzen wie „wird schon wieder“ oder „ist doch nicht so schlimm“ oder Sätzen, die einen ähnlichen Kontext haben, versuchen wir die Schwere der Situation zu mindern, ohne dass dies funktioniert. Das einzige, was wir damit erreichen ist, dass wir unserem Gegenüber das Gefühl geben, ihn nicht zu verstehen, ihm vielleicht sogar seinen Schmerz und seine Trauer aberkennen zu wollen – und das ist alles andere als hilfreich. Also: nicht zwanghaft trösten wollen!
Tausendmal tröstlicher als ein „ist doch nicht so schlimm“ ist ein „ich bin für dich da“ oder „wein ruhig“ oder aber „ich hör dir zu - erzähl mir, was du denkst und fühlst“.

 

 

Was Trauernden grundlegend immer gut tut, ist Anteilnahme in Form von Interesse an ihrer Geschichte, ihren Gefühlen und ihren Gedanken.

 

Zuhören! Fragen!

 

Einfach fragen – wie geht es Dir? Oder vorsichtig das Gespräch auf das Thema leiten? Sag mal… wie war das eigentlich genau…? Dieses Interesse, das so viele Menschen scheuen, weil sie denken, sie „stoßen damit in eine Wunde“ oder „reißen alte Wunden wieder auf“ ist für Trauernde meistens wie Balsam auf ihren Wunden, denn in der aller Regel haben sie wenige bis gar keine Menschen, mit denen sie offen über das, was ihnen geschehen ist, was sie beschäftigt, was sie fühlen sprechen können. Aber genau DAS ist elementar wichtig für ihren eigenen Verarbeitungsprozess.

 

Wenn wir so tun, als „wäre alles wieder beim alten“, negieren wir die gemachte Erfahrung der Betroffenen. Wir tun so, „als sie das nie geschehen“.

 

Es ist wichtig zu begreifen, dass für die betroffenen Menschen die Welt nicht nur für einige Sekunden, Stunden oder Tage stehengeblieben ist – sie wird ein Stückweit an genau diesem Punkt NIEMALS wieder anfangen sich weiterzudrehen. Und in den ersten Wochen und Monaten nach dem Verlust erlebt der Trauernde seine Umwelt und sein Leben völlig anders als sonst.

 

Es ist eine Illusion zu denken, dass die Betroffenen wieder „die alten“ werden – ihr Leben ist maßgeblich erschüttert worden, nicht unbedingt nur im negativen Sinne – es wurde schlichtweg durchgerüttelt. Ihnen ist etwas derart großes und tiefgreifendes geschehen, dass sie Wochen und Monate, teils Jahre brauchen, um zu begreifen, was geschehen ist und was es mit ihnen gemacht hat, was es in ihnen verändert hat.

 

Für Trauernde ist es in dieser Situation wichtig, das Gefühl zu haben, in dieser ihrer durcheinander gewürfelten Welt, Beistand und Trost zu finden. Wenn man ihnen das Gefühl gibt, für sie da zu sein, ist das ein wichtiger Schritt.

 

Um zu verdeutlichen, wie sich die Welt von Trauernden oft anfühlt, kann man sich beispielsweise Bilder der zerbombten Städte nach dem zweiten Weltkrieg vorstellen. Es steht nichts mehr an Ort und Stelle, alles scheint zerbrochen oder zumindest beschädigt worden zu sein. All das hat aber nicht nur schlechtes an sich und die meisten Menschen sind durchaus auch in der Lage, zwischen all den Ruinenstücken die grünen Grashalme oder die kleinen Gänseblümchen, die sich von all dem unbeeindruckt zeigen, zu erkennen. Und für viele bedeutet – lange Zeit nachdem es geschehen ist – ein solches Ereignis auch immer eine Art Neubeginn. Die Ruinen werden wieder Formen annehmen, es wird etwas völlig neues entstehen.

 

Aber in jener Zeit, in der die Trauernden zwischen den Trümmern ihres vorherigen Lebens stehen, tut ihnen jedwede Zuwendung gut.

 

Es gibt so viele Arten, Zuwendung zu zeigen – es sind manchmal ganz kleine und unbeeindruckende Dinge, die gut tun.

 

Februar 2009

Vielen Dank an Dani21 für diese sensiblen Worte!